Ein altägyptisches Weltwunder und eine kleine Gemeinde im Herzen des Spreewaldes: Bereits der Titel deutet die Widersprüche und Turbulenzen an, die sich im Laufe des experimentellen Dokumentarfilms ergeben. Das Filmprojekt setzt sich einerseits mit der industriellen Energiegewinnung und deren ökologischen Folgen auseinander, fängt andererseits aber auch ein, wie ein ganzes Dorf in Erwartung einer bald zu erbauenden Wahrzeichens in Dynamik gerät – angefacht durch die Intervention eines ideell überambitionierten Künstlers. Auf dessen persönliche Motivation, ein bedeutsames Werk zu schaffen, und auf die Hoffnung der Dorfbewohner, ein regionales Alleinstellungsmerkmal zu erlangen, treffen politische und ökonomische Interessen der Kooperationspartner. Diese entgegengesetzten Haltungen generieren ein turbulentes Eigenleben, welches das Projekt schlussendlich zum Scheitern bringt. Ich selbst nehme die Rolle des enthusiastischen Künstlers ein und werde somit neben meiner Regietätigkeit gleichermaßen zum Teil des dokumentierten Geschehens.

Da es sich um ein experimentelles Format handeln wird, soll dieses sowohl satirischen Augenblicken Raum bieten wie auch informativen und philosophische Überlegungen.

Das bisher dokumentierte Geschehen

Bereits zum Zeitpunkt der Kooperationsanfrage, die der Radduscher Tourismusverband an mich richtete, entstand die Idee zu einer filmischen Dokumentation des Projekts. Erstes Videomaterial wurde dementsprechend bereits gesammelt. Dies bedeutet, dass ich zum heutigen Zeitpunkt ein Wissen vom Verlauf der Ereignisse habe, welches meine Figur des Künstlers im Rahmen der Filmwelt noch nicht hat. Diese beiden Ebenen müssen unterschieden werden, um das bisherige Material und die künftige Filmarbeit voneinander abgrenzen und einordnen zu können. Denn während inzwischen tatsächlich Gewissheit darüber herrscht, dass aus dem Ockerschlamm in näherer Zukunft kein Baustein zu gewinnen sein wird, schleicht sich das Bewusstsein davon im Laufe des Films erst langsam ein.

So begann ich 2017 damit, verschiedene Entwicklungen zu filmen: Während sich durch die Initiative des Tourismusverbandes der Förderverein Kunstdorf Raddusch gründete, kooperierte ich mit Spezialisten auf dem Gebiet der Materialforschung von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, um aus dem Ockerschlamm einen stabilen und tragfähigen Baustein zu entwickeln, der alle Anforderungen des Baureglements erfüllen sollte. Prof. Dr. Ing. Klaus Jürgen Hünger begann mit einem Team von Studenten, das Material zu erforschen, doch sie säten erste Zweifel an dem Vorhaben, denn die großen Anteile an Wasser und giftigem Sulfat machen eine erfolgreiche Nutzung des Ockerschlamms als Baumaterial unwahrscheinlich. Allerdings schaltete sich im letzten Jahr der berentete Ingenieur Helmut Ziehe ein und proklamierte, eine einfache Lösung für das Problem gefunden zu haben. Zum heutigen Zeitpunkt weiß ich als Regisseur um die Unmöglichkeit seines Vorhabens, doch meine Figur und die Radduscher Gemeinde können innerhalb der Filmwelt noch auf einen positiven Ausgang hoffen. An diesem Punkt werden die weiteren Filmarbeiten einsetzen.

Fortführung der Dramaturgie und Erzählebene

Helmut Ziehes plötzliches Auftauchen und seine vermeintliche Lösung werden ähnlich dem retardierenden Moment im klassischen Drama inszeniert, da das Projekt mit seiner angebotenen Hilfe vorläufig gerettet scheint. Ebenso wie das bisher dokumentierte Geschehen, werden sich die bevorstehenden Filmarbeiten in vier unterschiedliche Formen der Narration gliedern:

 

  1. Interviews
  2. Unmittelbare Dokumentation von Ereignissen
  3. Reflexionen des Künstlers
  4. Öffentliche Rezeption des Vorhabens

 

  1. Gespräche mit den Gemeindemitgliedern Radduschs, mit Beamt*innen, Schulleiter*innen und Politiker*innen lassen nicht nur Erinnerungen an den Tagebau, den Stolz auf die Landschaft und Wut auf die ökologische Katastrophe erkennen, sondern zeichnen darüber hinaus die Chronik einer in der Landschaft gebundenen Geschichte. Auch Wissenschaftler*innen werden interviewt und machen deutlich, dass Forschung, die keine sicheren Prognosen bezüglich der ökonomischen Verwertbarkeit ihrer Ergebnisse treffen kann, muss mühselig um Unterstützung ringen.
  2. Die Kamera folgt den Geschehnissen: lange Autobahnfahrten zwischen Berlin und Raddusch, Streifzüge durch die Landschaft, Gespräche zwischen den Projektpartnern. Auch die einkehrende Gewissheit darüber, dass in Raddusch keine Pyramide aus Ockerschlamm stehen wird, wird unmittelbar dokumentarisch festgehalten.
  3. Von Beginn an begleitet die Zuschauer*innen ein Voiceover, das in die Geschichte einführt und den Film kommentiert. Die Erzählung erfolgt aus der Ich-Perspektive des Künstlers. Dessen Reflexionen begleiten den Zuschauer und pendeln zwischen pragmatischen Entscheidungen, idealisierten Vorstellungen und philosophischen Gedanken über Gesellschaft und Landschaft. Er bewegt sich zwischen objektiv-rationalen Beobachtungen und einer träumerisch gefärbten Verklärung der Umstände und reflektiert dabei immer wieder über die eigene Rolle bzw. über die Relevanz seiner Tätigkeit.
  4. Darüber hinaus, wird der Film die öffentlichen Darstellungen des Bauvorhabens versammeln und den tatsächlichen Entwicklungen gegenüberstellen. Bestimmte Bereiche der Massenmedien bedienen sich mit Vorliebe absurder Geschichten und vermitteln diese anhand einer Rhetorik, die mehr am Unterhaltungswert als an Sachlichkeit interessiert ist. So werden Zeitungsartikel vorgelesen und Ausschnitte von TV-Reportagen gezeigt.